Interview mit Dr. Tabea Bucher-Koenen in der Brigitte vom 02.01.2018

„Warum wir zu wenig über Finanzen wissen - und was sich ändern muss"


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Mithilfe eines 3-fragigen Tests forscht Dr. Tabea Bucher-Koenen zum Finanzwissen von Frauen in Deutschland sowie im internationalen Vergleich. Bei geschlossenen Fragen zu Zinseszins, dem Zusammenspiel von Zinsen und Inflation sowie Risikostreuung bei Finanzanlagen mussten Befragte zwischen den Antwortmöglichkeiten „Falsch" „Richtig" und „Weiß nicht" auswählen. Die Testergebnisse legen eine große Wissenslücke zwischen Frauen und Männern offen: So beantworteten 43,3 Prozent der Frauen mindestens eine der drei Fragen mit der Antwortoption „Weiß nicht", jede Zehnte gab sogar bei allen drei Fragen an, die Antwort nicht zu kennen. Damit schnitten Frauen über alle Altersstufen hinweg durchschnittlich schlechter ab als Männer.

Als Gründe für dieses Ergebnis nennt Bucher-Koenen, dass Frauen in diesem Bereich zum einen über weniger Wissen verfügen als Männer. Zum anderen, dass viele Frauen ihr Wissen niedriger einschätzen, als es tatsächlich ist. Dies schlussfolgern Bucher-Koenen und ihr Team aus der Feststellung, dass mehr Frauen die Fragen zum Finanzwissen richtig beantworteten, sobald die Antwortoption „Weiß nicht" wegfiel. In diesem Fall waren die Befragten gezwungen die Frage inhaltlich zu beantworten auch wenn sie sich nicht sicher waren. Rund 60 Prozent der Wissenslücke zwischen Männern und Frauen geht daher auf mangelndes Selbstvertrauen der Frauen in diesem Bereich zurück. Nur rund 40 Prozent sind auf einen tatsächlich niedrigeren Wissensstand der weiblichen Befragten zurückzuführen.

Warum Frauen im Durchschnitt weniger über Finanzthemen wissen als Männer bleibt offen. Denkbar ist jedoch, dass das Interesse an diesem Thema abhängig von Geschlechterrollen sei und deshalb eher bei Männern vorhanden ist. Bucher-Koenen führt jedoch an, dass Finanzwissen auch für Frauen wichtig ist, um hier unabhängige Entscheidungen treffen zu können. Denn vor dem Hintergrund gestiegener Scheidungsraten und einer durchschnittlich höheren Lebenserwartung für Frauen müssen Frauen damit rechnen in diesen Bereichen im Laufe ihres Lebens auf sich gestellt zu werden.

Das vollständige Interview können Sie hier lesen.

Mehr Informationen:
T. Bucher-Koenen und A. Lusardi (2011) "Financial literacy and retirement planning in Germany" In: Journal of Pension Economics and Finance, 10, pp. 565-584. A. Lusardi, O. Mitchell, „Financial Literacy and Planning: Implications for Retirement Wellbeing", 2011

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