Verbreitung der Riester-Rente weiter dynamisch – Wissen über die Riester-Förderung weiterhin gering

Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik, Abteilung MEA zeigt, dass die Dynamik in der Verbreitung der Riester-Rente ungebrochen ist, dass aber das Wissen über die Riester-Förderung noch zu wünschen übrig lässt.

Die Verbreitung der Riester-Rente weist eine enorme Dynamik auf. So hatten 2003 rund 8% der Haushalte eine Riester-Rente. Bis 2009 ist die Quote auf nunmehr fast 40% gestiegen. Insbesondere unter Haushalten mit Kindern ist die Riester-Rente weit verbreitet: Über 56% der Haushalte mit zwei Kindern haben einen Riester-Vertrag und Haushalte mit drei und mehr Kindern weisen sogar eine Verbreitungsquote von nahezu 70% auf. Sorgen bereitet nach wie vor der geringe Verbreitungsgrad unter den Haushalten mit niedrigen Einkommen. Aber auch hier ist die Verbreitung von 2008 auf 2009 um fast 7 Prozentpunkte auf nun 25% gestiegen.

Neben der regelmäßigen Untersuchung zur Verbreitung der Riester-Rente haben sich die beiden Forscher des Munich Center for the Economics of Aging (MEA), Dr. Michela Coppola und Dr. Martin Gasche, mit dem Wissensstand der Bevölkerung hinsichtlich der Riester-Förderung auseinandergesetzt. Dazu wurden die in der SAVE Umfrage 2010 gestellten Fragen zur Riester-Förderung ausgewertet. Zum einen ging es darum, ob die Befragten wissen, dass sie berechtigt sind, die Riester-Förderung zu bekommen. Zum anderen wurden die Inhaber eines Riester-Vertrages gefragt, ob sie die Höhe der Riester-Förderung einschätzen können.

Die Auswertung der Frage nach der Förderberechtigung ergab, dass sich rund 49% der Befragten für förderberechtigt halten und 51% für nicht förderberechtigt. Tatsächlich waren aber 73% förderberechtigt und nur 27% waren es nie. Die Förderberechtigung wird also falsch eingeschätzt. Dies wird noch stärker deutlich, wenn man diejenigen betrachtet, die objektiv in den letzten sechs Jahren mindestens einmal förderberechtigt waren. Von diesen Haushalten geben fast 38% an, nie förderberechtigt gewesen zu sein. Betrachtet man die Selbsteinschätzungen genauer, zeigt sich, dass 92% derjenigen, die sich für förderberechtigt halten, es auch tatsächlich sind. Dagegen liegen nur 46% von denjenigen, die berichten, nie förderberechtigt gewesen zu sein, mit ihrer Einschätzung richtig. Erstaunliche 54% irren sich. Das heißt, sie halten sich für nicht förderberechtigt, sind bzw. waren es aber. Die Förderberechtigung wird also stark unterschätzt.

Diese Fehleinschätzung ist zwar in allen Einkommensgruppen gegeben. In der untersten Einkommensgruppe, also diejenige Gruppe, in der Verbreitung der Riester-Rente noch ziemlich gering ist, ist die Unterschätzung aber besonders stark ausgeprägt. Im untersten Einkommensquintil ist die Fehlerquote mit 41 Prozentpunkten am größten. Bei den anderen Einkommensgruppen unterliegen mit rund 23% weit weniger Haushalte einer Fehleinschätzung. Dieses Ergebnis ist ein Indiz dafür, dass ein Grund für die geringe Verbreitung der Riester-Rente bei Niedrigeinkommensbeziehern im Mangel an Informationen über die Förderfähigkeit liegt.

Überraschende Ergebnisse ergaben sich auch bei der Auswertung der Frage zur Förderhöhe. So können 57% der Haushalte, die einen Riester-Vertrag besitzen, die Förderhöhe nicht einschätzen. 18% antworten, dass die Förderhöhe gering ist und weniger als 25% des Sparbetrages ausmacht. Diese Personengruppe schätzt die Förderhöhe auf jeden Fall falsch ein. Nur 24% der Haushalte schätzen den Förderanteil richtig ein, indem sie angeben, die Förderquote sei „hoch" (50% und mehr) bzw. „mittel hoch" (zwischen 25% und 50%). Dabei ist das Nichtwissen über alle Einkommensschichten und Bildungsniveaus gleich ausgeprägt. Lediglich in Haushalten mit Kindern ist das Wissen über die Förderhöhe signifikant höher. Problemtisch ist das geringe Wissen über die Förderhöhe deshalb, weil es die Akzeptanz der Riester-Rente negativ beeinflusst und dazu führen kann, dass Riester-Verträge leichtfertig gekündigt oder stillgelegt werden. Die Fehleinschätzung der Förderhöhe könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Förderregelungen zu kompliziert sind.

Die MEA-Forscher ziehen aus ihren Ergebnissen die Schlussfolgerung, dass durch Information und Vereinfachung der Riester-Förderung die Verbreitung und Akzeptanz der Riester-Rente weiter erhöht werden könnte. Diese eher einfachen Maßnahmen sollten vor einer Erhöhung der Förderung oder anderen Reformmaßnahmen stehen.

Mehr Informationen:
Die Riester-Förderung - Das unbekannte Wesen. MEA Discussion Paper 244-11: Coppola, Michela; Gasche, Martin