Nicht mit uns - strategisches Antwortverhalten bei Umfragen über das Rentenalter

Rentenreformen waren bei den Wählern noch nie recht beliebt. Aber sind die Wähler - vor allem vor dem Hintergrund der durch den demographischen Wandel entstehenden Probleme der Rentenkassen - wirklich grundsätzlich gegen Rentenreformen?

Meist wird die Einstellung zu Rentenreformen durch repräsentative Meinungsumfragen erhoben, die allein durch deren politischen Einfluss ein geeignetes Instrument darstellen, eine generelle Politikunzufriedenheit zu äußern. Die Wissenschaftler Scheubel, Schunk und Winter analysieren ein Experiment, das mit SAVE-Teilnehmern durchgeführt wurde. Sie zeigen, dass die Unzufriedenheit mit einem bestimmten Reformvorschlag - der Erhöhung des Renteneintrittsalters - strategisches Antwortverhalten in einem anderen Bereich auslösen kann.

In dem Experiment sollten die Teilnehmer auf einer Skala von 0 bis 10 einschätzen, wie sehr sie im Alter von 63, 65 oder 67 Jahren noch in der Lage sein würden, ihren Beruf auszuüben. Das Experiment wurde mit einem Kommentar zum (damaligen) Reformvorhaben der Bundesregierung eingeleitet, das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Die Einschätzung der eigenen erwarteten Arbeitsfähigkeit der Teilnehmer ist im Ergebnis tatsächlich nach unten verzerrt. Diese Verzerrung ist in Ostdeutschland ausgeprägter. Das zeigt, dass Meinungsumfragen nicht immer die unverzerrte Meinung wiedergeben, und daher auch nicht als Grund dafür herangezogen werden sollten, gewisse Reformvorhaben nicht durchzuführen. Unsere Ergebnisse zeigen aber auch, dass die erwartete Arbeitsfähigkeit im Rentenalter selbst unter Korrektur der Verzerrung immer noch sehr niedrig ist. Diese Sorge der Wähler sollte bei der Implementierung solcher Reformvorhaben wesentlich stärker berücksichtigt werden - nicht zuletzt, da MEA-Forschungsprojekte bereits gezeigt haben, dass eine solche Sorge nur teilweise begründet ist.


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Strategic responses: A survey experiment on opposition to pension reforms
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