Wie betroffen sind die privaten Haushalte in Deutschland durch die Finanzkrise?

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hält Finanzinstitutionen, Politik und Unternehmen in Atem. Gilt dies auch für die privaten Haushalte? Dies ist das Thema einer neuen MEA Studie. Sie zeigt, dass die Betroffenheit geringer ist als gemeinhin angenommen. Etwa 60% der Haushalte berichten in der SAVE-Umfrage, dass sie von Kriseneffekten nicht betroffen sind. Umgekehrt gibt etwa ein Fünftel der Haushalte an, Vermögensverluste erlitten zu haben und jeder vierte Haushalt spürt arbeitsmarktbezogene Krisenwirkungen wie Einkommensverluste, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder eine erhöhte Arbeitsplatz-Unsicherheit.

Im Durchschnitt verbuchen die Haushalte im Frühsommer 2009 Vermögensverluste in Höhe von kapp 2500 Euro, was 3,6 Prozent des Finanzvermögens entspricht. Über 9 Prozent der Haushalte verloren dabei mehr als 10 Prozent ihres Finanzvermögens. Wohlhabendere und ältere Haushalte, sowie Selbständige und Beamte verbuchen häufiger Vermögensverluste. Andererseits fallen die selbsteingeschätzten Verluste relativ zum Vermögen in den unteren Vermögens- und Einkommensgruppen sowie bei Frauen höher aus.

Arbeitsmarkspezifische Risiken betreffen die Einkommens- und Vermögensschichten hingegen gleichmäßiger. Dies liegt vor allem daran, dass wohlhabendere Haushalte häufiger von Einkommenseinbußen betroffen sind, wohingegen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit im unteren Einkommensbereich dominieren.

Es lässt sich noch kein eindeutiger Trend ausmachen, wie sich die Krise auf die Ersparnis auswirkt. Einerseits bewirken die höhere Unsicherheit und die Einsicht, dass ein höheres Staatsdefizit heute, höhere Steuern morgen bedeutet, bei etwa jedem 10. Haushalt eine höhere Ersparnis. Geringere Einkommen reduzieren diese andererseits bei 7 Prozent der Haushalte.

Schließlich kann hinsichtlich staatlicher Konjunkturmaßnahmen höchstens ein Teilerfolg festgestellt werden: Nur einem Drittel der Haushalte ist bewusst, von den Maßnahmen des Konjunkturpakets II entlastet worden zu sein. Diese Haushalte haben etwa drei Viertel ihres Zusatzeinkommens für den Konsum ausgegeben. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass die Entlastungen bei weiten Teilen der Bevölkerung nicht als spürbar angekommen sind. Insgesamt liegt die Sparquote aus Mitteln des Konjunkturprogramms mit über 26 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die normale Sparneigung.


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Study No.10: Deutsche Privathaushalte in der Finanz- und Wirtschaftskrise - Betroffenheit und Reaktionen
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