Die gesetzliche Rentenversicherung ist auch in Zukunft tragende Säule der Alterssicherung

Auch nach den Renten-Reformen 2001 bis 2007 wird die gesetzliche Rente die bedeutendste Säule im deutschen Alterssicherungssystem bleiben. Allerdings wird sich ihr Anteil am Gesamtalterseinkommen künftig deutlich vermindern. Im Gegenzug wird die private Ersparnis eine immer wichtigere Rolle spielen.

Der sich ab dem Jahr 2010 stark beschleunigende demografische Wandel stellt eine wohlbekannte grundlegende Herausforderung an die Rentenversicherung: Weniger Beitragszahler müssen für mehr Leistungsempfänger aufkommen. Die erforderliche Anpassung führt zu einer Gewichtsverschiebung der einzelnen Säulen der Alterssicherung, die in Deutschland bislang von der gesetzlichen Rente dominiert ist. Denn der Anstieg des Rentnerquotienten ist ein Dilemma, aus dem es keinen Königsweg gibt. Die Rentenreformen der vergangenen Jahre haben eine Kombination aus erhöhten Sozialbeiträgen, Begrenzung der Leistungen, höherem Rentenalter und mehr Eigenvorsorge in Gesetzesänderungen umgesetzt. Zusammengenommen spiegeln sie den Versuch eines Ausgleichs zwischen den Generationen wider.

Diffizile Botschaft

Die Frage, wie sich die Säulen der Alterssicherung im Laufe des demografischen Wandels entwickeln und welchen Stellenwert die gesetzliche Rentenversicherung im sich ausdifferenzierenden Mehrsäulensystem einnehmen wird, ist nicht leicht zu beantworten. Neben Prognosen der Bevölkerungsentwicklung müssen die Verhaltensreaktionen in Arbeitsangebot und Ersparnisbildung auf die zwischen 2001 und 2007 vorgenommen Gesetzesänderungen abgeschätzt werden. Insbesondere der Entwicklung der Erwerbstätigkeit kommt sowohl auf der Makroebene (über den Einfluss auf den aktuellen Rentenwert) als auch der Mikroebene (über die erworbenen Entgeltpunkte) eine große Bedeutung für den Stellenwert der ersten Säule zu. Aber auch für den Aufbau der zweiten und dritten Säule ist neben der Sparneigung der Haushalte die Länge des Erwerbslebens ein wichtiger Faktor, da sich mit einem höheren Renteneintrittsalter der Einzahlungszeitraum in die zusätzliche Altersvorsorge verlängert und sich gleichzeitig der Auszahlungszeitraum verkürzt.

                      

Die Botschaft unserer Analysen ist differenziert und damit auch diffizil vorzutragen. Einiges ist klar. So wird auch nach den Renten-Reformen 2001 bis 2007 die gesetzliche Rente die bedeutendste Säule im deutschen Alterssicherungssystem bleiben. Wenn alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im geförderten Umfang private Altersvorsorge betrieben, würde sich die Gesamtversorgung beispielsweise für die 1970 Geborenen zu 70 Prozent aus gesetzlicher und zu 30 Prozent aus privaten und betrieblichen Renten zusammensetzen. Sehr langfristig (etwa für die 1985 Geborenen) würde diese Aufteilung 60 zu 40 Prozent betragen. Da bei einem signifikanten Teil der Bevölkerung jedoch noch keine zusätzlichen Sparanstrengungen für die Altersvorsorge zu beobachten sind, ergibt sich bei diesem Personenkreis ein deutlich größeres Gewicht der gesetzlichen Rente - allerdings zu Lasten eines niedrigeren Gesamtversorgungsniveaus. Hier liegt die auch politisch brisante Botschaft: Ob das heutige Versorgungsniveau trotz des demografischen Wandels gehalten werden kann, hängt nicht nur von den erfolgreich im Gesetz verankerten Reformen ab, sondern auch vom zukünftigen Erwerbsverhalten und vom Altersvorsorgewillen der Bevölkerung.


mehr Informationen:

Zum künftigen Stellenwert der ersten Säule im Gesamtsystem der Alterssicherung
MEA Discussion Paper: 158-08 Axel Börsch-Supan, Tabea Bucher-Koenen, Anette Reil-Held, Christina Wilke