Auswirkungen der Rentengarantie

Bei der Rentenanpassung 2010 wirkt in Westdeutschland erstmalig die Rentengarantie. Welche Auswirkungen hat sie auf die Höhe der Rentenzahlungen und die Höhe der Beitragszahlungen? Und wem nützt die Rentengarantie tatsächlich? Diese Fragen stellte sich Martin Gasche aus dem Bereich „Alterssicherung und Sozialpolitik“….

Die Rentengarantie 2010 verhindert Rentensenkungen, obwohl die für die Rentenanpassung relevante Lohngröße im vergangenen Jahr in Westdeutschland um -0,96% gesunken ist. Entsprechend liegt der aktuelle Rentenwert mit Rentengarantie einige Jahre lang über dem Wert ohne Rentengarantie. Nach sechs Jahren sind die durch die Rentengarantie unterbliebenen Rentenkürzungen nachgeholt und der aktuelle Rentenwert stimmt wieder überein. Die Rentengarantie löst die alte Schutzklausel ab nach der Rentensenkungen aufgrund der Wirkung des Riester-Faktors und des Beitragssatzfaktors in der Rentenanpassungsformel nicht zu Rentensenkungen führen durften. Rentensenkungen aufgrund von Lohnsenkungen waren hingegen möglich. Die alte Schutzklausel kam in den Jahren 2005 und 2006 zur Anwendung.

Abbildung 1: Der aktuelle Rentenwert mit und ohne Rentengarantie bzw. ohne jegliche Schutzklauseln
Quelle: eigene Berechnungen

Der Schutz für die Rentner durch die Rentengarantie belastet die Beitragszahler, die über fünf Jahre einen um 0,2 Prozentpunkte höheren Beitragssatz bezahlen müssen. Insgesamt summieren sich die Mehrbelastungen der Beitragszahler durch die Rentengarantie über die Jahre auf 10 Mrd. Euro. Nimmt man die Auswirkungen der Rentengarantie und der alten Schutzklausel zusammen, betragen die Mehrbelastungen bis 57 Mrd. Euro. Ohne Rentengarantie und ohne alte Schutzklausel hätte der Beitragssatz bis 2018 bei 19,5% liegen können.

Abbildung 2: Der Beitragssatz mit und ohne Rentengarantie bzw. ohne jegliche Schutzklauseln
Quelle: eigene Berechnungen


Die durch die Rentengarantie verursachten höheren Rentenzahlungen für die heutigen Rentner und der höhere Beitragssatz für die heutigen Beitragszahler sorgen für eine Umverteilung von Jung nach Alt. Das Ausmaß der Umverteilung hält sich allerdings in Grenzen unter der Vorraussetzung, dass die Rentenkürzungen nachgeholt werden. Dies zeigt sich an der Veränderung der impliziten Rendite, die Beitragszahlungen und Rentenleistungen eines Rentenversicherten über sein gesamtes Leben gegenüberstellt und sie zu einer Größe verdichtet.

Durch die Anwendung der Rentengarantie werden die impliziten Renditen derjenigen Personen positiv beeinflusst, die zwischen 2010 und 2015 Rentner sind bzw. werden. Rentner profitieren von einer nur etwa 0,006 Prozentpunkte höheren Rendite. Die Rendite derjenigen Personen wird durch die Rentengarantie negativ beeinflusst, die in der Zeit der höheren Beitragssätze Beitragszahler sind. Damit sind vor allem die jungen und mittleren Jahrgänge betroffen. So erleiden die Jahrgänge ab 1950 und jünger Einbußen von rund 0,002 Prozentpunkten. Insgesamt führt die Anwendung der Rentengarantie 2010 also zu keinem großen Umverteilungseffekt. Anders ist es allerdings, wenn man zusätzlich die Umverteilungswirkungen der alten Schutzklausel einbezieht. Die positiven Renditeeffekte für die Rentner und die negativen für die Beitragszahler sind hier viel bedeutender.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Rentengarantie niemandem wirklich viel nützt. Der höhere Beitragssatz nützt den Rentnern, doch dieses „Mehr“ ist bezogen auf den gesamten Rentenzahlbetrag und bezogen auf die Rendite der Gesetzlichen Rentenversicherung sehr gering. Bis die Rentendämpfungen nachgeholt sind, besteht für die Gesamtheit der Beitragszahler eine Mehrbelastung. Doch bezogen auf ihr gesamtes Erwerbs- und Rentenleben hält sich auch dieser Nachteil in Grenzen.

Doch die Rentengarantie birgt ein großes Schadenspotenzial in sich: fällt beispielsweise der Lohnrückgang stärker aus oder tritt dieser häufiger auf, kann der Umverteilungseffekt weitaus größer sein. Vor allem wird die Rentenversicherung durch das Aussetzen des Ausgleichsmechanismus aufgrund der Rentengarantie für Konjunkturschocks anfälliger und die kurz- und mittelfristige Systemstabilität wird gefährdet. Die Rentengarantie erhöht den Nachholbedarf von unterbliebenen Rentendämpfungen weiter. Je länger man für das Nachholen unterbliebener Rentenkürzungen braucht, desto länger fallen die Rentensteigerungen sehr gering aus. Dies lässt sich aber politisch über viele Jahre nur schwer durchsetzen. Deswegen wird das Nachholen umso unwahrscheinlicher, je höher der Nachholbedarf ist. Das Ausbleiben des Nachholens würde aber die langfristige Stabilität des Rentensystems gefährden.


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