Auswirkungen der Finanzkrise auf die private Altersvorsorge

Die Finanzkrise hat ins Bewusstsein gerückt, dass die private kapitalgedeckte Altersvorsorge mit Risiken behaftet ist und große Wertverluste nicht auszuschließen sind. So hat der DAX bis Ende 2009 mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Axel Börsch-Supan, Martin Gasche und Michael Ziegelmeyer gehen der Frage nach, wie stark die private Altersvorsorge tatsächlich von der Finanzkrise betroffen ist und welche Personengruppen vor allem darunter leiden. Ihr Ergebnis: Das kapitalgedeckte Altersvorsorgevermögen in Deutschland ist weit weniger von der Finanzkrise betroffen, als dies gemeinhin kolportiert wird. Dies hat drei Gründe:

1. Das deutsche Altersvorsorgevermögen beruht im Wesentlichen nicht auf Kapitalanlagen wie Aktien, die in der Krise stark an Wert verloren haben. Vielmehr stützt sich die private Altersvorsorge eher auf weniger riskante Vermögenswerte wie Schuldverschreibungen, die durch die Finanzkrise weniger an Rendite eingebüßt haben als Aktien.

2. Die Altersvorsorge hat immer einen sehr langfristigen Charakter, so dass kurzfristige Schwankungen – auch wenn sie so stark sind wie bei der derzeitigen Finanzkrise – über die gesamte Vorsorgezeit von rund 30 Jahren nur wenig ins Gewicht fallen. Renditeschwankungen werden geglättet und das Risiko der Altersvorsorge wird dadurch reduziert.

3. Auch die Tatsache, dass die Beiträge und die spätere Auszahlung des Altersvorsorgevermögens über die Zeit gestreckt werden (Spar- und Auszahlungsplancharakter der Altersvorsorge), reduziert die Renditeschwankungen und damit das Risiko.


Die MEA-Studie zeigt, dass das Finanzvermögen deutscher Haushalte im Jahr 2008 im Vergleich zu einer hypothetischen Situation ohne Finanzkrise etwa 3000 Euro an Wert verloren hat. Dies entspricht 8,5% des gesamten Finanzvermögens. Das Altersvorsorgevermögen, als Teil des Finanzvermögens, erlitt mit 3% einen weit geringeren Verlust, da es sich weniger auf Aktienanlagen stützt.

Die Haushalte sind jedoch sehr unterschiedlich von Vermögensverlusten betroffen. So verlieren 14% aller Haushalte mindestens 10% ihres Finanzvermögens. Knapp 5% der Haushalte erleiden einen Verlust von 25% ihres Finanzvermögens. Die Verluste steigen mit der Höhe des Einkommens und des Vermögens eines Haushaltes. Ältere Personen und Personen mittleren Alters sind stärker betroffen als Jüngere.

Diese Ergebnisse legen eine bemerkenswerte Symmetrie zwischen den Auswirkungen der Finanzkrise auf die kapitalgedeckte Altersvorsorge und die Gesetzliche Rentenversicherung offen. Auch dort sind Vermögensverluste durch eine Abwertung der Entgeltpunkte in Höhe von 5,5% bis 8% zu verzeichnen. Dies ist mit den hier berechneten Verlusten von 3% (Altersvorsorgevermögen) und 8,5% (Finanzvermögen) vergleichbar. Beide Analysen zeigen die stärkste Betroffenheit bei den Rentnerjahrgängen und den rentennahen Jahrgängen, weil diese Jahrgänge zum Zeitpunkt der Krise schon viel Vermögen angesammelt hatten - in Form von Entgeltpunkten oder Finanzkapital.

Mehr Informationen: Auswirkungen der Finanzkrise auf die private Altersvorsorge
MEA Discussion Paper: 193-09, Axel Börsch-Supan, Martin Gasche, Michael Ziegelmeyer.