Deutschland lernt für das Alter zu sparen

Die vom Staat geförderte private Altersvorsorge, besser bekannt als Riester-Rente, gewinnt an Beliebtheit. Fand das gut gemeinte Angebot in den ersten Jahren noch wenig Anklang beim Sparer, entwickelt es sich heute zum Favoriten innerhalb der privaten Altersvorsorgemodelle. Doch trotz der wachsenden Bedeutung der Riester-Rente existieren nur wenige detaillierte Untersuchungen, die sich mit der Dynamik der Riester-Rente beschäftigen.

Wer nutzt die Riester-Rente zur Altersvorsorge und profitiert so von der staatlichen Förderung? Erreicht die jüngste Dynamik auch Bevölkerungsteile, die bislang noch keine Riester-Rente abschlossen? Welche Gründe stehen dem Abschluss eines Riester-Vertrages im Wege? Antworten auf diese Fragen finden MEA-Forscher in den SAVE-Daten – einer Umfrage zu Sparverhalten und Altersvorsorge in Deutschland. Diese erhebt das MEA seit 2001 regelmäßig.

Die Daten zeigen einen generellen Aufwärtstrend der privaten Altersvorsorge. Ende 2005 hatten bereits 17 Prozent der im Arbeitsleben stehenden Haushalte mindestens einen Riester-Vertrag. Das sind fast dreimal so viele wie Ende 2002. Aber nicht nur die Zahl der Riester-Renten steigt, deutsche Sparer schließen auch immer mehr andere private Rentenversicherungsverträge ab. Der Anteil von Haushalten mit sonstigen privaten Rentenversicherungsverträgen hat sich von 2002 bis 2005 ebenfalls verdoppelt.

Die Riester-Rente wird besonders von kinderreichen Haushalten nachgefragt. Mehr als ein Fünftel der Haushalte mit mindestens vier Kindern hatten Ende 2005 einen Riester-Vertrag. Die Zuwächse seit 2002 sind hier am stärksten. Die unteren Einkommensgruppen, die ebenfalls von einer hohen Förderquote profitieren könnten, besitzen dagegen deutlich seltener Riester-Renten als der mittlere und obere Einkommensbereich. Die beliebteste Altervorsorge im unteren Einkommensbereich ist die Rister-Rente aber jetzt schon; noch vor den Betriebs- und sonstigen Privatrenten. Erfreulich ist auch, dass die Dynamik seit 2005 nun auch die unteren 40 Prozent der Einkommensverteilung erreicht: hier sind die Riester-Renten mittlerweile ähnlich weit verbreitet wie bei den höheren Einkommen.

Schließlich ergeben die Daten, dass es zwischen der Altersvorsorge und anderen Spargründen Verdrängungseffekte gibt. Menschen, für die der Erwerb einer Immobilie ein wichtiger Spargrund ist, haben weniger wahrscheinlich einen Riester-Vertrag. Gleiches gilt für das Vererbungsmotiv, das einer Riester-Rente ebenfalls im Weg steht. Es gilt wie immer im Leben, dass man einen Euro nur einmal ausgeben kann. Für die Politik bedeutet dies, dass sie mit ihrer Förderpolitik klare Prioritäten setzen muss.

Mehr Informationen: Das Sparverhalten deutscher Haushalte: Erste Erfahrungen mit der Riester Rente.
MEA Discussion Paper: 114-06, Axel Börsch-Supan, Anette Reil-Held, Daniel Schunk.