Mortalitätserwartungen und Konsum

Das letzte Hemd hat keine Taschen. Wer erwartet, nicht mehr lange zu leben, sollte heute mehr konsumieren. Diese Hypothese basiert auf der Annahme, dass Menschen bei ihren Konsum- und Sparentscheidungen den Kosten und Nutzen von gegenwärtigem und zukünftigem Konsum gegeneinander abwägen. Wer mit hoher Wahrscheinlichkeit damit rechnet, bald zu sterben, wird dem zukünftigen Konsum einen geringeren Wert beimessen. Folglich wird sie oder er heute mehr konsumieren und weniger für die Zukunft sparen.

In einer Studie, basierend auf Daten aus der amerikanischen „Health and Retirement Study", untersucht MEA Mitarbeiter Martin Salm die Auswirkungen der subjektiven Lebenserwartung auf das Konsum- und Sparverhalten von älteren amerikanischen Bürgern. Aus anderen Studien ist bekannt, dass Menschen im Durchschnitt sehr genaue und zutreffende Vorstellungen über ihre Lebenserwartung haben. Die Ergebnisse der Studie bestätigen, dass Menschen mit einer kürzeren Lebenserwartung mehr für gegenwärtigen Konsum ausgeben und weiniger sparen. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Befragten in der Art und Weise, wie sich die Lebenserwartung auf das Konsum- und Sparverhalten auswirken. Für Personen, die eher risikofreudig eingestellt sind, sind die Auswirkungen einer kurzen Lebenserwartung auf den gegenwärtigen Konsum stärker als für eher risikoscheue Personen. Auch dies entspricht den Vorhersagen der Theorie.

Die Lebenserwartung älterer Menschen ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen und wird voraussichtlich weiter steigen. Die Ergebnisse der Studien lassen hoffen, dass sich Menschen in ihren Konsum- und Sparentscheidungen in vorausschauender Weise auf steigende Lebenserwartungen einstellen werden.


mehr Informationen:

Can subjective mortality expectations and stated preferences explain varying consumption and saving behaviors among the elderly?
MEA Discussion Paper: 111-06 Martin Salm

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