Das letzte Lebensjahr von Menschen in Europa

Trotz medizinischen Fortschritts wird das letzte Lebensjahr für viele Menschen wie auch ihr soziales Umfeld zu einem sehr schwierigen Lebensabschnitt. MEA-Forscher untersuchten mit Hilfe der SHARE-Studie die Lebenssituation von Sterbenden in ihrem letzten Lebensjahr in verschiedenen europäischen Ländern, um Aufschluss über Art und Ausmaß der erlittenen Einschränkungen und der empfangenen Hilfe im letzten Lebensjahr zu gewinnen.

Der Rückgang der kognitiven und funktionalen Leistungsfähigkeit führt oft zu wesentlichen Beeinträchtigungen im letzten Lebensjahr. Zwei Drittel der im Folgejahr Verstorbenen waren bei den Aktivitäten des täglichen Lebens eingeschränkt, zum Beispiel beim Essen, Trinken oder Anziehen. Dabei bestehen große Unterschiede nach dem Bildungsstand und dem Geschlecht der untersuchten Menschen: während nur ein Drittel der wenig gebildeten Personen ihrem Alltagsleben uneingeschränkt nachgehen konnte, konnte die Hälfte der höher Gebildeten ohne Hilfe leben. Ähnliche Unterschiede zeigen sich zwischen Männern und Frauen: Ein Drittel der Frauen litt unter einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des Alltagslebens im letzten Lebensjahr, aber nur 17 Prozent der Männer. Dies ist zum Teil auf das höhere Sterbealter der Frauen zurückführen.
Die Menschen werden mit diesen Einschränkungen nicht allein gelassen: mehr als 98 Prozent der Verstorbenen mit mittleren oder starken Beeinträchtigungen erhielten in ihrem letzten Lebensjahr Hilfe. Das nachstehende Diagramm zeigt, welche Personen im letzten Lebensjahr geholfen haben.

                                     

Das überraschende Ergebnis: Die Pflegeformen unterscheiden sich stark zwischen Nord-, Süd-, und Westeuropa. In den nordeuropäischen Ländern herrscht mit 70 Prozent die professionelle Pflege vor, während in Südeuropa überwiegend die Kinder die Pflege übernehmen.
Obwohl viele Befragte berichten, dass sie es vorziehen würden, zu Hause und nicht in Institutionen wie Krankenhäusern oder Pflegeheimen zu versterben, lassen die wenigsten ihr Leben in ihrem Zuhause. Insgesamt sterben nur zwei von fünf Verstorbenen zu Hause, wobei dieser Anteil in Südeuropa größer als in Nordeuropa ist.
Geht die Unterstützung durch die Angehörigen mit einem Erbe einher? Familienangehörige, die dem Verstorbenen vor seinem Tod geholfen haben, erben in der Tat häufiger. Dabei lässt sich jedoch nicht endgültig klären, ob die Hinterbliebenen mehr geerbt haben, weil sie geholfen haben, oder ob sie geholfen haben, weil sie wussten, dass sie erben würden. Erben jedoch mehrere Geschwister gemeinsam, wird der Nachlass relativ unabhängig von der geleisteten Hilfe gleichmäßig auf die Kinder verteilt.


mehr Informationen:

The Last Year of Life in Europe: Initial findings from the SHARE study
MEA Discussion Paper: 177-09 Hendrik Jürges, Karsten Hank

 

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