Bildung hält gesund

Schlechte Gesundheit bleibt nicht nur in Entwicklungsländern ein besonderes Problem ärmerer Bevölkerungsschichten. Auch in Europa zeigt sich trotz deckender Gesundheitssysteme: Wohlstand, Bildungsniveau und berufliche Position sind Garanten für bessere Gesundheit. Hendrik Jürges hat diesen sogenannten Gradienten mit Daten aus 11 europäischen Ländern und den USA untersucht. Von der gängigen Praxis abweichend galt Jürges' besonderes Augenmerk nicht dem Einkommen, sondern dem Faktor Bildung. Das gesundheitliche Gefälle zwischen Arm und Reich, Gering- und Hochqualifizierten und niedrigem und hohem Jobstatus ist in der Gesundheitsforschung seit langem gut dokumentiert.

Das Ergebnis: Für das existierende Gefälle ist Bildung selbst bei weitem der wichtigste Einflussfaktor. Bildungsbezogene Unterschiede in Einkommen, Vermögen und berufliche Situation dagegen erklären lediglich 25 Prozent, in den USA 40 Prozent der Gesundheitsunterschiede zwischen gut und schlecht Ausgebildeten. Besonders deutlich ist das Gesundheitsgefälle im mediterranen und angelsächsischen Raum, schwächer in West- und Nordeuropa. Zudem weisen Länder mit insgesamt hohem Gesundheitsniveau gleichzeitig auch weniger soziales Gefälle bei der Gesundheit auf.

Die Theorie hält mehrere Erklärungen für den Einfluss von Bildung auf Gesundheit bereit. Erstens sind gebildete Menschen auch bei der "Produktion" der eigenen Gesundheit produktiver. Sie können ihre Lebensenergie effizienter einsetzen. Zweitens versetzt ihr Bildungsniveau sie besser in die Lage, Information zu Gesundheit aufzunehmen und zu verarbeiten. Darüber hinaus verändert Bildung die Lebensperspektive. Gebildete Menschen schauen stärker auf ihre Zukunft und gewichten den Wert von Gesundheit somit höher.

Die theoretische Annahme, dass gebildete Menschen vernünftiger und vorausschauender mit ihrer Gesundheit umgehen, ließ sich anhand der Daten jedoch nicht bestätigen. Jürges untersuchte den Einfluss von persönlichen Risiken, wie dem Rauchen, als Kanal für die Wirkung von Bildung auf Gesundheit. Die Daten jedoch zeigen nur einen geringen Zusammenhang.

Auch wenn die genauen Wirkungszusammenhänge empirisch noch nicht völlig bekannt sind, lassen die Ergebnisse einen Schluss zu: Der Zusammenhang von Bildung und Gesundheit ist so stark, dass Investitionen in Bildung sowohl das Gesundheitsniveau der Bevölkerung heben als auch die Finanzsituation der Gesundheitssysteme verbessern könnten.


mehr Informationen:

Healthy minds in healthy bodies. An international comparison of education-related inequality in physical health among older adults
MEA Discussion Paper: 141-07 Hendrik Jürges

 

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