Oma und Opa in der Verantwortung - ein europäischer Vergleich

Die Betreuung von Enkelkindern ist eine der wichtigsten Formen der Unterstützung zwischen den Generationen, da sie gleich drei Generationen einer Familie betrifft und eine wichtige Ressource z.B. für die Erwerbstätigkeit von Müttern darstellt. Eine Analyse der Daten des 2004 erstmals erhobenen Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE) zeigt, dass durchschnittlich fast 60 % der Großmütter und fast die Hälfte der Großväter im Laufe eines Jahres zumindest gelegentlich ein Enkelkind betreuen. Die höchsten Anteile finden sich dabei in den nördlichen Ländern Europas (65 % Großmütter; 60 % Großväter), während die südeuropäischen Länder unterdurchschnittliche Werte aufweisen (50 % Großmütter; 40 % Großväter).

Dieses Muster steht in scheinbarem Widerspruch zu der weit verbreiteten Vorstellung der ‚starken' Familie in Südeuropa. Betrachtet man jedoch die Häufigkeit der Betreuung dreht sich die Rangfolge der Länder praktisch vollständig um: die deutlich höchsten Anteile regelmäßig betreuender Großeltern finden sich mit ca. 40 % in Griechenland und Italien, während in den skandinavischen Ländern nur etwa halb so viele Großeltern mindestens wöchentlich eines ihrer Enkelkinder betreuen.

Eine erste denkbare Erklärung dieses Ergebnisses könnte ein kulturell bedingtes methodisches Artefakt sein: Nord- und Südeuropäer verstehen die Frage, ob sie ein Enkelkind betreuen, möglicherweise anders. Während es im Mittelmeerraum so selbstverständlich ist, gelegentlich auf die Enkel aufzupassen, dass es in einer Befragung erst dann erwähnt wird, wenn es sich um ein regelmäßiges Betreuungsarrangement handelt, geben Skandinavier jede Gelegenheit an, bei der sie sich um ihre Kindeskinder gekümmert haben..

Eine zweite - substantielle - Interpretation weist auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Enkelkinderbetreuung, dem Angebot an öffentlicher Kinderbetreuung und Frauenerwerbstätigkeit hin. So erfordert das gut ausgebaute System öffentlicher Kinderbetreuung in Skandinavien trotz hoher Müttererwerbstätigkeit keine regelmäßige Betreuung durch die Großeltern, die aber dann von großer Bedeutung sind, wenn es darum geht in Ausnahmefällen (z.B. Überstunden im Beruf) ‚einzuspringen'. In Südeuropa kümmert sich die große Mehrheit der Mütter hingegen Vollzeit um die Kinder, so dass die Hilfe der Großeltern in der Regel nicht gebraucht wird. Die vergleichsweise geringe Zahl erwerbstätiger Mütter ist hier allerdings auf regelmäßige familiäre Unterstützung bei der Betreuung ihrer Kinder angewiesen, da es institutionelle Betreuungsmöglichkeiten kaum gibt.


mehr Informationen:

Grandparents Caring for Their Grandchildren: Findings from the 2004 Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe
MEA Discussion Paper: 127-07 Karsten Hank, Isabella Buber

 

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