Skandinavische Rentner sind aktiver als die in Mittelmeerländern

Mit einem immer stärker wachsenden Anteil alter Menschen in den europäischen Gesellschaften bekommt das produktive Potential von Rentnern über ehrenamtliches Engagement eine immer stärkere Bedeutung. Dass die aktive Betätigung nicht nur einen sinnvollen gesellschaftlichen Beitrag darstellt, sondern auch die eigene Lebensqualität verbessert, beweisen allen voran die rüstigen Skandinavier. Karsten Hank, Marcel Erlinghagen und Anja Lemke haben den europäischen Vergleich angestellt und herausgefunden, welche Faktoren die Aktivität der alten Menschen beeinflussen.

Hinsichtlich des allgemeinen Niveaus ehrenamtlichen Engagements lassen sich im Wesentlichen drei Ländergruppen unterscheiden. Erstens die Mittelmeerländer, die durch eine insgesamt geringe Beteiligung an Ehrenämtern gekennzeichnet sind. Während in Italien immerhin noch 7 Prozent der Befragten angeben, im vergangenen Monat aktiv gewesen zu sein, trifft dies nur auf 2 bis 3 Prozent der Griechen und Spanier zu. Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz bilden eine zweite Gruppe von Ländern, die mit einem Anteil von 9 bis 14 Prozent an Freiwilligen in der Bevölkerung über 50 ein mittleres Engagement aufweisen. Die Spitzengruppe mit einer hohen Aktivitätsquote von bis zu 20 Prozent ehrenamtlich aktiven Älteren beinhaltet Schweden, Dänemark und die Niederlande. Etwa ein Fünftel der Freiwilligen war hier fast täglich aktiv, knapp die Hälfte hat sich fast jede Woche engagiert und ein gutes Drittel war innerhalb des vergangenen Monats seltener als wöchentlich ehrenamtlich tätig. Die am häufigsten genannten Motive für ehrenamtliche Tätigkeit sind der Wunsch, einen sinnvollen Beitrag zu leisten, (70 Prozent) und der mit der Ausübung des Ehrenamtes verbundene Spaß (61 Prozent).

Die Ausübung von Ehrenämtern nimmt mit dem Alter deutlich ab. Bei Personen ab 75 Jahren sinkt die Engagementquote um mindestens ein Drittel auf ein durchschnittliches Niveau von 5 Prozent. Bemerkenswert ist, dass sich in den skandinavischen Ländern immer noch mehr als 10 Prozent der Bevölkerung über 75 Jahre in Ehrenämtern engagieren. Der Freiwilligenanteil in der Bevölkerung variiert ebenfalls deutlich mit dem Bildungsstand. Der Anteil ehrenamtlich aktiver Älterer mit mittlerem Bildungsabschluss liegt im Allgemeinen um fast 5 Prozentpunkte über dem der niedrigsten Bildungskategorie. Mit weiteren 7 bis 8 Prozentpunkten engagieren sich die Menschen in der Gruppe der hohen Bildungsabschlüsse am stärksten.

Schließlich zeigt sich, dass der Anteil ehrenamtlich aktiver Befragter unter jenen, die ihren Gesundheitszustand als mittelmäßig oder schlecht beschreiben, mit 6 Prozent im Durchschnitt nur knapp halb so hoch ist wie unter Menschen, die angeben, dass es ihnen gut oder besser geht. Diese negative Beziehung findet sich auch im Verhältnis von Ehrenamt und objektiveren Gesundheitsindikatoren.

Die zukünftige Entwicklung des ehrenamtlichen Engagements von Senioren hängt nicht nur davon ab, inwieweit es der europäischen Bevölkerung gelingen wird, gesund zu altern, sondern auch davon, in welchem Umfang für ältere (und gebrechlichere) Freiwillige angemessene und gleichzeitig ‚profitable' Betätigungsmöglichkeiten geschaffen werden können. Zudem dürfen in der Diskussion um den gesellschaftlichen Nutzen des Ehrenamtes keinesfalls die positiven Aspekte ehrenamtlicher Tätigkeiten für die freiwillig Aktiven selbst aus dem Blick geraten: ältere Menschen sollen nicht zum Vorteil Dritter ‚ausgebeutet' werden, sondern sie selbst sollen durch ihre aktive Teilnahme an gesellschaftlichen Aufgaben eine Verbesserung der eigenen Lebensqualität erfahren.


mehr Informationen:

MEA-DP 074-05 Ehrenamtliches Engagement in Europa: Eine vergleichende Untersuchung am Beispiel von Senioren, erschienen in: Sozialer Fortschritt, 55 (1), 2006, 6-12.

MEA-DP 071-05 Participation of Older Europeans in Volunteer Work, erscheint in: Ageing & Society, 26 (3), 2006.

Link zur Website des Projektes "Informelle Arbeit von Älteren in Deutschland und Europa (INFAR 50+)"

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