SHARE: Wohlfahrtsstaatliches Engagement unterstützt produktives Altern

Der Anteil ehrenamtlich engagierter älterer Menschen variiert im europäischen Vergleich stark. Worin aber liegen die Ursachen für diese Unterschiede? Und was können die Staaten dafür tun, damit ehrenamtliches Engagement gefördert wird?
Angesichts der rapiden Bevölkerungsalterung in Deutschland und anderen hochindustrialisierten Staaten hat das Konzept des ‚produktiven Alterns’ in den vergangenen Jahren erhebliche Aufmerksamkeit erfahren. Während die Ursachen der international stark variierenden Erwerbsquoten älterer Menschen bereits gut untersucht sind, ist bislang weitgehend unklar, welche gesellschaftlichen Determinanten und Einflüsse bestimmend sind für ‚informelle’ produktive Tätigkeiten – also etwa für Ehrenamt, Netzwerkhilfe oder Pflege.

Auf Basis von Daten des 2004 erstmals in elf Ländern erhobenen Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE), die am MEA koordiniert wird, wiesen Forscher nach, dass europaweit der Anteil aktiver Älterer sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Die skandinavischen Länder, Belgien und die Niederlande erreichen Spitzenwerte, während Frankreich, Deutschland, Österreich und die Schweiz das europäische Mittelfeld bilden. Italien, Spanien und Griechenland weisen hingegen die niedrigsten ehrenamtlichen Aktivitätsraten auf.

Eine Untersuchung der MEA-Forscher Karsten Hank und Stephanie Stuck zeigt nun anhand der SHARE-Daten, dass sich die erheblichen Länderunterschiede auf die unterschiedliche Verteilung individueller Merkmale, zum Beispiel von Bildungsabschlüssen, zurückführen lassen. Mit Blick auf die so genannte „Bevölkerungskomposition“ lassen sich zwischen einem Fünftel und mehr als der Hälfte der in den SHARE-Daten beobachteten europaweiten Unterschiede erklären. Eine wichtige Rolle kommt auch gesellschaftlichen Faktoren zu. Während gesellschaftliche Altersbilder – so wie sie in der Studie von Hank und Stuck erfasst wurden – keinen statistisch nachweisbaren Zusammenhang mit ehrenamtlichem Engagement, Netzwerkhilfe und Pflege aufweisen, konnten Hypothesen zur Bedeutung von politischer und religiöser Freiheit sowie wohlfahrtsstaatlichem Engagement weitgehend bestätigt werden. Je positiver ein Land im so genannten Freedomhouse Index of Civil Liberties abschneidet und je größer der Anteil der Sozialausgaben am Bruttoinlandsprodukt, desto stärker neigen ältere Bürger dazu, selbst produktiv tätig zu sein.

Die Befunde zeigen, dass die europäischen Wohlfahrtsstaaten die Verantwortung für die Ausweitung privaten bürgerlichen Engagements der älteren Bevölkerung – und damit eine Stärkung des produktiven Alterns – nicht allein den Bürgern und Bürgerinnen überlassen sollten. Vielmehr bedarf es unterstützender staatlicher Maßnahmen, gerade in jenen europäischen Ländern, die bislang eine relativ geringe Rate aktiver Älterer aufweisen.

Mehr Informationen: Ehrenamt, Netzwerkhilfe und Pflege in Europa – Komplementäre oder konkurrierende Dimensionen produktiven Alterns?
MEA Discussion Paper: 123-07, Karsten Hank, Stephanie Stuck

 

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