Ist man so krank wie man sich fühlt?

Das Alter bringt für die meisten Menschen auch gesundheitliche Leiden mit sich. Die Einschätzung des eigenen Gesundheitszustandes aber ist subjektiv und kann trotz gleicher Gebrechen von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausfallen. Hendrik Jürges hat sich mit der Frage beschäftigt, ob die eigene Wahrnehmung der Gesundheit innerhalb Europas variiert. Dazu hat er ein objektives Gesundheitsmaß entwickelt und dieses mit den persönlichen Einschätzungen europäischer Senioren verglichen.
Der Anteil der Befragten, die ihren Gesundheitszustand als ausgezeichnet oder sehr gut beschreiben, variiert von Land zu Land erheblich. Laut ihrer subjektiven Einschätzung leben die gesündesten Senioren in Dänemark, Schweden und der Schweiz. Fast 50 % der befragten Dänen und über 40 % der befragten Schweden und Schweizer erfreuen sich nach eigenen Angaben sehr guter bis ausgezeichneter Gesundheit. Am wenigsten gesund fühlen sich ältere Menschen aus Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. Der Anteil der Befragten mit sehr gutem bis ausgezeichnetem Gesundheitszustand liegt dort bei 20 % und ist damit nur halb so hoch wie in den „gesunden“ Ländern.

Angesichts dieser großen Länderunterschiede stellt sich die Frage nach der Zuverlässigkeit von Selbsteinschätzungen. Wenn mehr Dänen als Deutsche ihren Gesundheitszustand als ausgezeichnet beschreiben, sind die Dänen dann wirklich gesünder als die Deutschen? Oder beschreiben sie ihren Gesundheitszustand nur mit größerer Wahrscheinlichkeit als ausgezeichnet?

 

Um den objektiven Gesundheitszustand zu ermitteln, nutzen die Forscher alle in SHARE verfügbaren „objektiven“ Gesundheitsinformationen (z. B. diagnostizierte körperliche Beschwerden), um landesspezifische Eigenheiten hinsichtlich der Selbsteinschätzung auszugleichen. In der Abbildung wird die resultierende „korrigierte Einschätzung“ der ursprünglichen Selbsteinschätzung der Befragten gegenübergestellt. Am Beispiel von Dänemark und Deutschland wird deutlich, was unsere Korrektur der Selbsteinschätzung bewirkt. Dänen und Deutsche bewerten ihren Gesundheitszustand extrem unterschiedlich (fast 27,4 Prozentpunkte Unterschied). In der korrigierten – und wahrscheinlich realistischeren – Einschätzung ist der Unterschied jedoch sehr gering (1,2 Prozentpunkte).


Im Vergleich der SHARE-Länder bewerten die Skandinavier ihre Gesundheit am positivsten. Deutsche, Niederländer und Schweizer sind weniger positiv. In den übrigen Ländern (Mittelmeerraum und Österreich) gibt es kaum systematische Unterschiede zwischen Selbsteinschätzung und korrigierter Einschätzung.

Obwohl sich die Unterschiede des Gesundheitszustands durch die Korrektur verringern, werden sie nicht völlig nivelliert. Spanien befindet sich zum Beispiel nach wie vor am unteren Ende der Skala. Die Ergebnisse spiegeln also teilweise landesspezifische Unterschiede in der Selbsteinschätzung wieder, weisen jedoch auch auf tatsächliche Unterschiede der physischen Gesundheit in Europa hin.

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